März / April 2010
Ravensburg ist weit – Teheran ist nah!

Das ist der Mann, der während des Ashura-Protests am
27. Dezember 2009 in Teheran brutal von einem Polizeiwagen
überfahren wurde. Abbas Farajzadeh Tarani – für seine
Familie und seine Freunde ist er «Shahram» – war 30 Jahre
alt, als ein Polizeiauto zurücksetzte, ihn überfuhr und dann
noch einmal überrollte. Sein Tod wurde von Mitdemonstranten
festgehalten und bei
Youtube als Video eingestellt.
Er hinterlässt seine Frau und eine 5-jährige Tochter. Weshalb,
werden Sie sich fragen, erinnern wir an dieser Stelle an dieses unschuldige Opfer
der Unruhen nach den Wahlen im Iran. Shahram Farajzadeh Tarani ist der Schwager
unseres Mitarbeiters Shahram Asghari. Mit ihm trauern wir und bangen um
das Leben seiner Schwester und seiner Nichte in Iran. Wie viele Familien, die ihre
Verwandten in den Unruhen seit der Wahl verloren haben, wurde auch Shahrams
Familie gezwungen, still und leise bei sich zu Hause zu trauern. Tatsächlich musste
sogar sein Bruder eine Einverständniserklärung unterschreiben, dass die Familie
keine öffentliche Trauerfeier abhalten wird. Als ob der iranische Geheimdienst seine
Bürger nicht schon genug überwachen würde, wurde sogar die Trauerfeier für
Shahram im Haus seiner Familie von 4 Geheimdienstoffizieren beaufsichtigt.
Deutschland treibt Handel mit Iran. Aus keinem anderen Land importiert Iran derzeit
mehr. Zwischen Januar und Oktober 2008 stiegen die Exporte aus Deutschland
im Vergleich zum Vorjahr um 10,5%. Das Niveau ist beträchtlich: 2007 betrugen
die deutschen Ausfuhren rund 3,6 Milliarden Euro. Tausende deutscher Firmen verkaufen
nach Iran, unter ihnen Siemens («Der Spiegel» 12.12.2009). Viele Produkte
der Siemens-Palette, vor allem solche aus dem Kommunikationsbereich, werden
zur Überwachung und Verfolgung von Regimegegnern verwendet.
Im Boulevard-Stil streiten sich Leserinnen und Leser unserer christlichen Tageszeitung wochenlang um solch wichtige Themen wie die Zusammenlegung der Städte Weingarten und Ravensburg! Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass uns derzeit Teheran näher ist als unsere liebe Nachbarstadt Ravensburg (siehe oben).
Unser Mitarbeiter Shahram lädt Sie zu einer
Informationsveranstaltung über die Situation in Iran ein (Do. 18. März, 20 Uhr, Eintritt frei). Wolfram Frommlet rezitiert hierzu zeitgenössische iranische Literatur. Im Rahmen des Schülerfilmfestivals Cinéfête 10 haben Sie außerdem die Möglichkeit, mit dem berührenden Comicfilm «Persepolis» noch einmal einen Blick in die Geschichte Irans zu werfen (Do. 25. März und Di. 30. März, jeweils 18.00 Uhr).
Ungewöhnliche Veranstaltungen erfordern ungewöhnliche Veranstaltungsorte: so sind wir mit der musikalischen Lesung von Starkoch, Philosoph und Musiker
Vincent Klink (am Flügel begleitet von Patrick Bebelaar) zu Gast in der Aula der Pädagogischen Hochschule Weingarten (Mo. 19. April, 19.30 Uhr) und anlässlich des Weltwassertages geht die Linse buchstäblich baden – zwei Tage vor dem Weltwasertag, Sa. 20. März laden wir Sie zur spektakulären
Video-Lesung «HaZweiOh» ins Hallenbad Weingarten ein. Dass eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hat, kann und darf uns nicht kalt lassen!!! Um sauberes Trinkwasser geht es auch in dem packenden Dokumentarfilm
«Im Schatten des Tafelberges – When The Mountain Meets Its Shadow» aus Kapstadt. Die beiden Regisseure und die Aktivisten aus dem Film kommen am Sa. 27. März in die Linse.
Wir wissen, dass der Wechsel zu erneuerbaren Energien eine existenzielle Notwendigkeit für die gesamte Weltzivilisation ist und eine Chance für mehr Gerechtigkeit und Energieautonomie beinhaltet. Kompakt nachvollziehbar macht dies der Dokumentarfilm
«Die 4. Revolution – Energy Autonomy» von Carl-A. Fechner, den wir 14 Tage zum Deutschlandstart im Programm haben. Regisseur Carl-A. Fechner ist am 23. März zu Besuch! Gleich im Anschluss vom 1. bis 14. April präsentieren wir den Dokumentarfilm
«Plastic Planet»; die vielleicht etwas zu vollmundig erscheinende Aussage auf dem Plakat «Wenn Sie diesen Film gesehen haben, werden Sie nie wieder aus einer Plastikflasche trinken» können wir nur bestätigen.
Regisseurbesuch auch bei einer Sonderveranstaltung für Schulen am Do. 25. März um 16 Uhr: Regisseur Hagen Keller wird im Anschluss an seinen Film
«Meer is nich»
mit Schülern ins Gespräch kommen.
Ein weiterer Regisseurbesuch im Rahmen der diesjährigen Schulkinowoche Baden-Württemberg: am Fr. 12. März um 8.30 Uhr ist Regisseur Rolf Losansky mit seinem Kinderfilmklassiker
«Moritz in der Litfaßsäule» zu Besuch in der Linse! Zwei weitere Angebote für Schulen in diesem Programmheft: das 10. französischsprachige Schülerfilmfestival
«Cinéfête» vom 25. bis 31. März und das 3. British School Film Festival
«Britfilms» vom 15. bis 21. April.
Vor knapp einem Jahr verstarb die charismatische österreichische Schauspielerin
Monica Bleibtreu. Ihr widmen wir ein 7-teiliges Filmportrait (siehe Seite 11). So ganz «nebenbei» präsentieren in diesem Programm noch die Damen und Herren
Luise Kinseher, Sigi Zimmerschied und
Bernd Kohlhepp ihre neuen Programme auf unserer großen Bühne.
Sollten Sie nach Lektüre unseres Programmheftes noch Bedarf nach wichtigen Informationen aus Ihrer christlichen Tageszeitung haben – bitteschön, wie wäre es mit seitenlangen Elaboraten über die richtige Wahl der Pflastersteine und der Lampen für die allerschönste aller Fußgängerzonen ... Oder mit der halbseitigen Berichterstattung über die «Eröffnung» des 100. «südmail»-Briefkastens???
Unverbesserlich wie wir sind und auch bleiben wollen, denken wir, dass die Menschheit doch weit wichtigere Themen zu diskutieren hätte (hierzu siehe oben).
Unsere 620 Mitglieder möchten wir wie jedes Jahr an dieser Stelle zur
Jahreshauptversammlung am Sonntag, 25. April um 18 Uhr sowie zu unserem Jahresausflug nach Gent und Brügge einladen (schriftliche Einladung erfolgt per Post – NICHT per
«südmail»!).
In diesem Sinne: bleiben Sie kritisch,
Ihr Team vom Kulturzentrum Linse.
PS: Redakteur Dirk Grupe hat unlängst in der «Schwäbischen Zeitung» die Linse als «Leuchtturm in der Kulturlandschaft Oberschwabens» bezeichnet. Wir überlegen uns seither ernsthaft unser Logo mit diesem schönen Leuchtturm zu verzieren!
Noch ein Preisrätsel zum Schluss: wer uns den derzeitigen Brutto-Stundenlohn eines «südmail»-Zustellers mitteilt, erhält eine Tüte Gummibären mit Freikarte (Mitarbeiter dieser Firma sind von der Teilnahme ausgeschlossen).