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Kinofilme im Februar 2012

Film-Inhalte



(Ein Klick auf den Titel führt zum 1. Vorführtermin des Films in der Programmübersicht)



Der Gott des Gemetzels

Als Theaterstück (von Yasmina Reza) war «Gott des Gemetzels» gerade der Renner auf deutschen Bühnen, auch am Theater Ravensburg. Die Story ist einfach: Zwei Buben verhauen sich auf dem Schulweg und nun besuchen die Eltern des einen die Eltern des anderen, um den Streit und deren Folgen auf zivilisierte Weise zu klären. Was mit einem harmlosen Tässchen Kaffee beginnt, endet unter Einfluss von 18 Jahre altem Whiskey im Chaos. Enthüllungen, gegenseitige Beschuldigungen, auch zwischen den Ehepartnern, Beleidigungen und charakterliche Selbstentblößungen gipfeln in verkotzten Kunstbänden und in einem in der Blumenvase versenkten Handy. Es geht schon lange nicht mehr um die zwei Zähne des einen Jungen. Die beiden spielen unterdessen längst wieder miteinander. Ob wir tatsächlich alle Tiere oder Egoisten sind und ob Männer sich auf den John Wayne-Typus reduzieren lassen, bleibt offen und diskutabel. Derweil macht diese überraschende Enthüllung wahrer Persönlichkeitszüge durchgehend viel Spaß. Bei diesem humorigen Quartett-Spiel stellt sich die Frage, wer wen sticht. Jeder darf jeden einmal stechen.

F 2011.
Regie: Roman Polanski.
Mit Christoph Waltz, Jodie Foster, Kate Winslet, John C. Reilly.
79 Min.
www.gottdesgemetzels.de

Der Fall Chodorkowski

Nowosibirsk am 25. Oktober 2003. Eine russische Spezialeinheit stürmt den Privatjet von Michail Borissowitsch Chodorkowski. So endet abrupt die Karriere des reichsten Manns Russlands. Aus dem Chemiestudenten jüdischer Herkunft, dem Komsomol- Aktivisten und ersten Gründer einer russischen Privatbank wird schnell ein einflussreicher Banker und Geschäftsmann, der von Gorbatschow und Jelzin protegiert wird. Chodorkowski übernimmt die Mineralölfirma YUKOS, die er nach westlichem Vorbild transparent führt. Dabei wird er immer reicher und mächtiger. Er gründet Stiftungen wie «Offenes Russland» und unterstützt die politische Opposition. Als er sich öffentlich mit Präsident Putin anlegt und die Amerikaner bei YUKOS mit ins Boot holt, wird es dem Kreml zu viel. Nach einigen Warnungen und Einschüchterungsmanövern lässt der Staat Michail Chodorkowski wegen Korruption und Steuerhinterziehung verhaften und verurteilen.
Bis voraussichtlich 2016 sitzt er noch in Haft. Für viele ist er der prominenteste politische Gefangene in Russland, andere nennen ihn schlicht einen Kriminellen. Wie gut kennen wir eigentlich die politischen (Macht)-Verhältnisse im Russland von heute? Fünf Jahre lang recherchierte und drehte Cyril Tuschi in Russland, Deutschland, Israel und den USA. Er interviewte Zeitzeugen, Freunde, Kritiker und Familienmitglieder Chodorkowskis. Am Ende des Films spricht Chodorkowski aus seiner Zelle direkt in die Kamera. Schon vor der Premiere auf der Berlinale 2011 sorgte der Dokumentarfilm für Schlagzeilen: Aus dem Büro des Regisseurs wurden Festplatten gestohlen, auf denen sich eine Kopie des Films befand. Ob der russische Geheimdienst die Vorführung verhindern wollte, ist bis heute ungeklärt.

D 2011.
Regie: Cyril Tuschi.
Mit Michail Chodorkowski, Pavel Chodorkowski, Marina Chodorkowskaya, Lena Chodorkowskaya, Anton Drel.
111 Min.
www.derfallchodorkowski.de

The Artist

George Valentin ist der Superstar des großen Hollywood-Kinos der 20er Jahre. Dem unvergleichlichen Charmeur und Draufgänger fliegen die Herzen des Publikums zu. Er genießt und zelebriert seinen Ruhm und entdeckt wie im Vorbeigehen das Talent der jungen Statistin Peppy Miller. Doch mit dem Wendepunkt vom Stummfilm zum Tonfilm stehen die beiden Schauspieler plötzlich zwischen Ruhm und Untergang. Valentin will nicht wahrhaben, dass der Tonfilm seine Karriere zu überrollen droht. Für Peppy Miller aber bedeutet die neue Technik den Durchbruch: Das Sternchen wird zum gefeierten Kinostar! In Zeiten von 3D-Kino und Spezialeffekten gibt es Kino wie in den 1920er Jahren. Im Verzicht auf Farbe und auf gesprochene Dialoge bringt der Film die Gefühle der größten Epoche des Kinos auf unsere Leinwände. Ihre unbändige Freude am Spiel, ihre hinreißende Eleganz und ihren Witz, Tragik und Poesie. Mit rein filmischer Bildkraft, die jeden unmittelbar berührt.
«The Artist» lebt überdies von seiner detailreichen Mimikry der Stummfilm ära. Musik, Bildsprache und Lichtsetzung erschaffen im Zusammenspiel mit den Darstellern die perfekte Illusion. Dabei spielt Hazanavicius immer wieder auf sehr fantasievolle Art mit den Gesetzmäßigkeiten des Stummfilms (Stichwort: Wasserglas) und dem anstehenden Wechsel in ein neues Kinozeitalter. In nicht wenigen Augenblicken ist die Geschichte unprätentiöses, intelligentes Meta- Kino. Der dramatische Übergang von den «Goldenen Zwanziger» in die Weltwirtschaftskrise von 1929 liefert schließlich die Kulisse für ein unkonventionelles, vollauf geglücktes Kinoexperiment.

F 2011.
Regie: Michel Hazanavicius.
Mit Jean Dujardin, Bérénice Bejo, John Goodman, James Cromwell, Penelope Ann Miller, Missi Pyle, Ed Lauter, Beth Grant, Ken Davitian, Bitsie Tulloch, Bob Glouberman.
100 Min.
www.theartist-derfilm.de

Chinese zum Mitnehmen

Eine Kuh fliegt vom Himmel und dem Eisenwarenhändler Roberto läuft ein Chinese über den Weg. Roberto ist ein Einzelgänger. Er lässt keinen nah an sich heran, nicht einmal die quirlige Mari. Das einzige was ihn ernsthaft aufregt, sind die ungenauen Schrauben- Lieferungen. Seine einzigen Hobbys sind das Sammeln merkwürdiger Geschichten, die er aus diversen Zeitungen ausschneidet und das Beobachten von Flugzeugen. Doch dann platzt Jun in sein langweiliges Leben und krempelt es komplett um. Denn Jun spricht kein Wort Spanisch, ist gerade erst in Argentinien angekommen und auf die Hilfe anderer angewiesen. Widerwillig nimmt Roberto den Chinesen unter seine Fittiche, um ihm den Start in ein neues Leben zu ebnen und findet dabei einen Ausweg aus seinem eigenen, tristen Dasein. Unter der Regie von Sebastián Borenzstein läuft Ricardo Darín (In ihren Augen) in dieser warmherzigen, süßsaueren Komödie erneut zu Hochform auf. Spärliche Dialoge, trockener Humor – genauestens platziert, Komik, die sich mit melancholischen Sequenzen mischt – kurz: eine skurrile Culture- Clash-Komödie.
Nach dem Erfolg in Argentinien und Spanien gilt der Film bereits als erfolgreichste Latino- Produktion des Jahres.

RA / E 2011.
Regie: Sebastián Borenzstein.
Mit Ricardo Darín, Ignacio Huang, Muriel Santa Ana.
93 Min.
www.chinesezummitnehmen.de

Bessere Zeiten

Völlig überraschend erhält Leena einen Anruf aus dem Krankenhaus ihrer Heimatstadt. Ihre Mutter liegt im Sterben. Von einer Sekunde auf die andere brechen alte Wunden auf. Die inzwischen 34-jährige wehrt sich dagegen. Sie will mit ihrer Mutter nichts mehr zu tun haben. Aber ihr Mann Johan drängt die junge Frau, sich gemeinsam auf den Weg zu machen. Auf der Fahrt überfallen Leena ihre schmerzhaften Erinnerungen. Drastische Szenen aus ihrer Kindheit zwingen sie, sich mit den Schatten der Vergangenheit auseinander zu setzen. Intensiv, bewegend und direkt erzählt der Film von Armut, Alkoholismus, Gewalt und desolaten Familienstrukturen und davon, wie sehr uns unsere Vergangenheit zu dem macht, der wir sind, dass sie uns immer wieder einholt, und dass es wichtig ist, mit Dingen abzuschließen, damit wir mit unserem Leben fortfahren können.

S 2010.
Regie: Pernilla August.
Mit Noomi Rapace, Ola Rapace, Outi Mäenpää, Ville Virtanen, Tehilla Blad, Alpha Blad, Junior Blad.
94 Min.
www.besserezeiten-derfilm.de

Ich reise allein

Jarle bekommt einen Brief: Er hat plötzlich eine 7-jährige Tochter, die auch noch auf dem Weg zu ihm ist. Diese Nachricht, inklusive dem plötzlichen Auftauchen seiner Tochter, erschüttern Jarle in seinen Grundfesten. Er, der freiheitsliebende Jungakademiker, gewohnt daran, den eigenen Launen zu folgen und Verantwortung und Ordnung weit von sich zu schieben, ist nun mit einer Gegenwart konfrontiert, bei der ihm auch sein Lieblingsschriftsteller Marcel Proust nicht mehr weiterhilft. Der Filmtitel «Ich reise allein» nimmt nicht nur einfach auf jenes Schild um Lottes Hals bei ihrer Ankunft Bezug, sondern eben auch auf Prousts subjektive Wahrheitsvorstellung, der zufolge einerseits kein Mensch die Wirklichkeit oder Wahrheit als solche vollständig zu erkennen vermag, andererseits aber auch jeder Mensch seinen eigenen Kosmos abbildet, also subjektiv jeder durch seine einzigartige Welt reist. Ein unkonventioneller und sehr sympathischer Kinospaß mit einem fantastischen Soundtrack aus den 1990er Jahren.

N 2011.
Regie: Stian Kristiansen.
Mit Rolf Kristian Larsen, Amina Elonora Bergrem, Pal Sverre Hagen, Ingrid Bolso Berdal.
94 Min.
www.ichreiseallein.de

Cirkus Columbia

Der Zerfall des sozialistischen Jugoslawien schreitet voran. Nach Jahren kommunistischer Führung wird 1991 in Bosnien-Herzegowina eine neue demokratische Regierung gewählt. Gegner des alten Systems kehren in ihr Land zurück. Auch Divko Buntic nutzt die Chance und kehrt nach 20 Jahren Exil in sein Heimatdorf zurück, standesgemäß im Mercedes, an seinem Arm die schöne, junge Azra, in seinen Taschen viel Geld. Mit Hilfe seines Cousins, der gerade als erster mehr oder weniger demokratisch gewählter Bürgermeister sein Amt angetreten hat, verlangt Divko sein Haus zurück, das von seiner Noch-Ehefrau und seinem Sohn bewohnt wird. Ganz unterschwellig spitzt der Regisseur Tanovic (No Man’s Land) die Situation zu, lässt aus Freundschaften langsam Feindschaften entstehen, zeigt wie aus Menschen, die eben noch Nachbarn waren, fast über Nacht erbitterte Gegner werden. Wenn auch nicht immer klar ist, welcher Ethnie die einzelnen Figuren angehören, wird überdeutlich, wie der aufkommende Krieg lange unterdrückte Aversionen wieder an die Oberfläche bringt. Ein beeindruckend gespieltes Stück Geschichte – wehmütig, nostalgisch und herzlich.

BIH / F / GB / D / SLO / B 2010.
Regie + Buch: Danis Tanovic.
Mit Miki Manojlovic, Mira Furlan, Boris Ler, Jelena Stupljanin, Milan Štrljic, Mario Knezovic, Svetislav Goncic.
113 Min.
www.movienetfilm.de

Atmen

Der 19-jährige Roman Kogler verbüßt in einer Sonderstrafanstalt für Jugendliche eine achtjährige Freiheitsstrafe wegen Totschlags. Er könnte nach der Hälfte der Zeit auf Bewährung entlassen werden. Doch er hat schlechte Karten: Verschlossen, einzelgängerisch und mit Hang zu Jähzorn scheint er für eine Resozialisierung nicht in Frage zu kommen. Mehrere Versuche, ihn in Betrieben außerhalb der Haftanstalt unterzubringen, scheiterten bereits nach wenigen Tagen. Ein dummer Streich bringt alles ins Rollen. Ein Mithäftling klebt Roman eine Stellenanzeige ans Zellenfenster: «Bestattung Wien sucht Mitarbeiter für den Abholdienst». Der Täter bleibt anonym, doch Roman nimmt den Spaß für Ernst. Der Sozialarbeiter Walter Fakler fährt mit ihm zum Vorstellungsgespräch und Roman bekommt den Job. Eines Tages glaubt er seine tote Mutter vor sich zu haben. Dies stellt sich als Irrtum heraus, den er aber zum Anlass nimmt, zum ersten Mal in seinem Leben nach ihr zu suchen. Karl Markovics wurde für sein beeindruckendes Regiedebüt, angesiedelt zwischen Strafanstalt und Friedhof und mit einigem morbidem Witz, in der renommierten Cannes-Nebenreihe «Quinzaine des Realisateurs» mit dem Preis «Label Europa Cinema» ausgezeichnet.

A 2011.
Regie + Buch: Karl Markovics.
Mit Thomas Schubert, Karin Lischka, Gerhard Liebmann, Georg Freidrich, Stefan Matousch, Georg Veitl.
93 Min.
www.atmen-der-film.at

Die Reise des Personalmanagers

Hilfsarbeiterin Yulia Petracke, eine aus Osteuropa zugewanderte Jüdin, ist in Jerusalem bei einem Selbstmordattentat ums Leben gekommen. Ein windiger Journalist kommt auf die Idee, Yulias Betrieb, eine Großbäckerei, dafür verantwortlich zu machen, dass die Tote noch immer nicht begraben werden konnte. Er startet eine diffamierende Pressekampagne. Der Personalchef der Bäckerei erhält den Auftrag, die Angelegenheit zu regeln. Beruflich ist er spezialisiert auf den diskreten Umgang mit schwierigen Situationen, aber im Privatleben ist er ein Versager. Seine Ehe ist gescheitert, er nimmt sich viel zu wenig Zeit für seine kleine Tochter. Wieder stellt er den Beruf vor die Familie und beginnt mit Nachforschungen über Yulia Petracke. Das Image der Firma steht auf dem Spiel, Geld spielt keine Rolle. Notfalls muss der Sarg eben zurück in Yulias Geburtsland gebracht werden. Der israelische Regisseur Eran Riklis (Lemon Tree) bleibt seinem Thema treu. Es geht wieder um das Suchen und Finden von Menschlichkeit und um das Überschreiten von Grenzen.
IL / D / F 2010.
Regie: Eran Riklis.
Mit Mark Ivanir, Rozina Kambus, Gila Almagor, Reymond Amsalem.
103 Min.
www.personalmanager-derfilm.de

Tage die bleiben

Bei einem Autounfall verliert Christian Dewenter plötzlich seine Ehefrau. Zum ersten Mal sind der untreue Ehemann, sein entfremdeter Sohn und seine pubertierende Tochter gezwungen, gemeinsam als Familie zu handeln. Während jeder für sich mit seinen eigenen Gefühlen kämpft, schaffen sie es nicht, gemeinsam ihre Trauer zuzulassen. Und dann stellen sich der Familie auch noch ganz andere Herausforderungen: Welcher Sarg ist der richtige? Wer besorgt die Briefmarken für die Trauerkarten? Und wie versteckt man seine Lebenslügen, wenn plötzlich alles an die Oberfläche getrieben wird? Pia Strietmann erzählt hier mit großer Zärtlichkeit und feinsinnigem Humor von einer ganz gewöhnlichen Familie in einer ungewöhnlichen Situation, die jeden von uns treffen kann.

D 2011.
Regie: Pia Strietmann.
Mit Götz Schubert, Max Riemelt, Mathilde Bundschuh, Lena Stolze.
105 Min.

Wintertochter

Ausgerechnet, als an Heiligabend die Bescherung stattfindet, ruft ein fremder Mann an und Kattaka geht ans Telefon. Es ist ihr leiblicher Vater, wie die 12-jährige bald darauf erfährt. Die Eltern haben ihr das lange verschwiegen, zu lange vielleicht. Alexej war Soldat in der Sowjet-Armee, Margarethes Freund und weiß nicht, dass er eine Tochter hat. Kattaka will jetzt mitten im Winter los, ihren Vater suchen und sehen. Er arbeitet als Matrose und liegt in Stettin vor Anker. Und von Berlin nach Stettin ist es nicht weit. Lena, eine ältere Nachbarin, ist bereit zu fahren. Lena, das stellt sich jetzt heraus, hat großen Kummer. Sie wurde in Masuren geboren, verlor gegen Ende des Krieges ihre Eltern und fürchtet sich seither, jemals wieder in ihre alte Heimat zurückzukehren.

D / PL 2011.
Regie: Johannes Schmid.
Mit Ursula Werner, Nina Monka, Katharina Marie Schubert, Maxim Mehmet.
93 Min.
www.wintertochter.de

Michel Petrucciani - Leben gegen die Zeit

Michel Petrucciani begann als kleines Kind Klavier zu spielen und trat zusammen mit seinem Vater auf. Anfang der 1980er zog er von Frankreich nach Amerika und machte sich in der amerikanischen Jazzszene einen Namen. In Deutschland wurde der weltberühmte Jazzpianist erst später durch seine regelmäßigen Auftritte in Roger Willemsens ZDF-Sendung «Willemsens Woche» bekannt. Spielfilmregisseur Michael Radford (Der Postmann) erzählt in seiner Doku über den kleinwüchsigen Michel Petrucciani, der an der Glasknochenkrankheit litt, anhand von Archivaufnahmen, alten Interviews mit ihm und neuen Gesprächen mit Freunden, Kollegen und Ex-Freundinnen. Die Qualität von Petruccianis Klavierspiel spricht dabei für sich, doch noch interessanter als der bekannte große Pianist ist der ambivalente Charakter, den der Film entstehen lässt. Jahre nach Petruccianis Tod erinnern sich die einstigen Weggefährten einerseits an einen großen Künstler, der gern Späße machte und das Leben genoss, andererseits auch an einen Menschen, der alte Freunde komplett ignorierte, Freundinnen über Nacht verließ, sich arrogant und selbstherrlich aufführte. Diese faszinierende Dokumentation ist eine angenehm kritische Hommage an einen beeindruckenden Musiker und außergewöhnlichen Menschen.

D / F / I 2011.
Regie: Michael Radford.
Mit Alexandre Petrucciani, Aldo Romano, Roger Willemsen.
103 Min.

Perfect Sense

Eine Liebe in den Zeiten der Apokalypse: eine unerklärliche Epidemie führt dazu, dass die Menschen auf der ganzen Welt nach und nach ihre Sinneswahrnehmungen verlieren. Während sich die Katastrophe langsam anbahnt, finden in Glasgow die Wissenschaftlerin Susan und der Chefkoch Michael zueinander. Beide werden von leidvollen Erinnerungen geplagt. Obwohl sich die Krankheit weiter ausbreitet und alle Menschen ihren Geruchs- und Geschmackssinn bereits eingebüßt haben, geht das Leben weiter. Nach einer Phase der Desorientierung stellen sich die Menschen auf die neue Situation ein. Die Beziehung der beiden Liebenden entwickelt sich und wird immer intensiver. Es ist längst nicht nur die Leidenschaft, die sie zusammenhält. Jeder Eskalation der Epidemie gehen enorme Gefühlsschwankungen voraus, und vor dem Verlust des Hörsinns führt ein Wutausbruch Michaels dazu, dass sich die beiden verlieren. Jetzt scheint die Welt im Chaos unterzugehen. Und es droht noch Schlimmeres: Blindheit. Werden die beiden Liebenden wieder zueinander finden? Allegorie, Dystopie, Weltfilm, Liebesromanze. Das und noch viel mehr steckt in David MacKenzies mitreißendem Independent-Drama. Taschentücher nicht vergessen!

D / GB / S / DK 2011.
Regie: David Mackenzie.
Mit Ewan McGregor, Eva Green, Ewen Bremner, Connie Nielsen, Stephen Dillane, Denis Lawson, Alastair Mackenzie, James Watson.
92 Min.
www.perfectsense.senator.de

Kriegerin

Sommer. Es ist heiß. Eine Kleinstadt irgendwo in Deutschland. Marisa ist Anfang 20, Neonazi und rast durch ihre Welt wie ein offenes Rasiermesser. Sie ist aggressiv und schlägt zu, wenn ihr jemand dumm kommt. Sie hasst Ausländer, Politiker, den Kapitalismus, die Polizei und alle anderen, denen sie die Schuld daran gibt, dass ihr Freund Sandro im Knast sitzt und dass alles um sie herum den Bach runter geht: Ihr Leben, ihre Stadt, das Land und die ganze Welt. Dieser Sommer hält noch mehr Ärger für Marisa bereit: Die bürgerliche Svenja, drängt in Marisas Clique, und der afghanische Flüchtling Rasul sucht sich ausgerechnet ihren Badesee zum Schwimmen aus. Als die Welten der drei aufeinanderprallen, setzt sich eine Kette von Ereignissen in Gang, die ihr Leben auf den Kopf stellt. Regisseur und Drehbuchautor David Wnendt recherchierte viele Jahre über das brisante Thema Rechtsextremismus in der heutigen Jugend, um einen Film zu schaffen, der das Milieu und seine Charaktere realistisch darstellt. Der Film klärt auf, ohne vordergründig pädagogisch zu sein. Er vermeidet die gängigen Klischees von Bomberjacken und Springerstiefeln. «Kriegerin» ermöglicht ein wirkliches Verstehen, ohne die Taten der Figuren zu entschuldigen.

D 2011.
Regie + Buch: David Wnendt.
Mit Alina Levshin, Jella Haase, Sayed Ahmad Wasil Mrowat, Gerdy Zint, Lukas Steltner, Uwe Preuss, Winnie Böwe.
103 Min.
www.kriegerin-film.de

Drive

Einen Namen hat die Hauptfigur nicht. «Driver» muss genügen – denn am Lenkrad eines Autos zu sitzen, das ist sein Beruf. Als Stuntman in Hollywood darf er immer dann hinters Steuer, wenn es für die Stars brenzlig wird. Für ihn ist das reine Routine. Erst nachts erwacht der wortkarge Einzelgänger zum Leben, als Fahrer von Fluchtfahrzeugen bewaffneter Einbrüche. Keiner kann ihn schnappen, keiner kann ihm das Wasser reichen. Dann lernt der coole Driver seine neue Nachbarin Irene kennen – und verliebt sich in die alleinerziehende Mutter. Ryan Gosling (Blue Valentine) und Regisseur Nicolas Winding Refn erfinden das Actionkino neu, mit einem ebenso lässigen wie präzisen Großstadtthriller. Nichts für schwache Nerven!

USA 2011.
Regie: Nicolas Winding Refn.
Mit Ryan Gosling, Carey Mulligan, Bryan Cranston.
101 Min.
www.drive-film.de



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